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Marseille - Die Mutter aller Rugby-Wochenenden
12.10.2007 um 18:58 Uhr (2509 mal gelesen)
Rugby-WM 2007"Es gibt keine zwei Meinungen - das war ohne Zweifel, das großartigste Sport-Wochenende, an dem ich jemals teilnehmen durfte", so der BBC-Sportjournalist Tom Fordyce. Das Viertelfinal-Wochenende der Rugby WM wird wohl in die Geschichte der Sportart eingehen als die Mutter aller Rugby-Wochenenden.

Die WM-Organisatoren haben ein gutes Gespür bewiesen, als sie zwei der vier Viertelfinals in Marseille angesetzt hatten und das Wetter spielte mit herrlichem Mittelmeer-Spätsommer ebenso mit. Sieger und Zweite der Gruppen A und B spielten dort am selben Wochenende überkreuz gegeneinander. Das gab den Fans bereits im Vorfeld Planungssicherheit. Engländer, Australier, Südafrikaner und Waliser wussten: ihr Viertelfinale würde in Marseille stattfinden. Die Hotelzimmer konnten gebucht werden.

Das Ergebnis dieser Planungssicherheit sahen wir dann am letzten Wochenende: 25.000 englische Rugby-Fans, 5.000 Waliser, eine ähnliche Menge Südafrikaner und Australier, eine handvoll Fidschis und alle tummelten sich am malerischen alten Hafen in Marseille. Ein Horrorszenario für jedes Fußballturnier – Randale in der Innenstadt, Großaufgebote der Überwachungsbehörden und verbarrikadierte Schaufensterscheiben. Doch beim Rugby kein Grund zur Panik. Im Gegenteil. Die Fans feierten gemeinsam. Keine Aggressionen, keine Gewalt, nur friedliche Rugby-Parties, Bier und Lieder und mittendrin 14 Mainzer.

Nach der überraschenden Niederlage Australiens gegen England am Samstagnachmittag ging die Party in und vor allem vor den Kneipen rund um den "Vieux Port" dann richtig los. Weltmeister England war in der Neuauflage des Finales von 2003 gegen Australien Außenseiter in der Runde der letzten acht. Doch Australien spielte uninspiriert und kam nicht gegen den starken englischen Sturm an. Die australischen Fans nahmen´s sportlich, akzeptierten die Niederlage und gratulierten den Gewinnern. Hut ab.

Als dann am Samstagabend auf zwei großen Videowänden das Spiel des Gastgebers Frankreich gegen den WM-Favoriten aus Neuseeland, zu sehen war, waren sich alle einig: Frankreich muss gewinnen. Die englischen Fans, die sich mit den Franzosen den vermeintlich leichteren Halbfinalgegner wünschten, feuerten "Les Bleues" nicht minder an als die 20.000 Franzosen vor dem Videoscreen. Die zahlreichen Australier stimmten ebenso in das vielstimmige "Allez les bleues" ein, wünschen diese schon traditionell den All Blacks nichts Gutes. Das Aufbäumen der französischen Mannschaft in der zweiten Halbzeit und der heroisch erkämpfte knappe Sieg gegen den WM-Favoriten passten perfekt in die Dramaturgie des Wochenendes. Nach dem Schlusspfiff entlud sich die Spannung des Spiels in der gesamten Innenstadt von Marseille. Es gab kein Halten mehr. Bier und Pastis flossen bis zum Morgengrauen.

Keinen besseren Ort gab es an diesem Abend, die „Marseillaise“ anzustimmen. Man konnte sich sicher sein. Die Umstehenden gleich welcher Nationalität stimmten ein: „Le jour de gloire et arrivé!“

Am Sonntag dann schien die ganze Stadt verkatert. Ohne Energie für den zweiten Tag des Wochenendes und das zweite große Spiel im Stade Velodrome: Südafrika gegen Fidschi.

Niemand traute den Spielern von den Fidschi-Inseln zu, eine ähnliche Überraschung zu schaffen, wie England oder Frankreich tags zuvor. Das Bild vor dem Stadion war geprägt von vielen Anhängern der südafrikanischen Springboks. Siegessicher standen sie in den Bars und schwörten sich auf die Partie ein.

Die Anhängerschaft der Fidschis war kunterbunt. Viele Fans aus den unterschiedlichsten Ländern unterstützten die sympathischen Insulaner mit mitgebrachten Hawaiihemden und Baströcken. Und dann waren da noch die vielen Waliser. Zusammen mit den Engländern prägten sie das Stadtbild in Marseille an diesem Wochenende. Wenn das Turnier "nach Plan" verlaufen wäre, hätte Wales das Viertelfinale gegen Südafrika bestritten. Doch dazu kam es nicht. Die Briten unterlagen in einem spannenden Spiel dem Team von den Fidschis und schieden bereits nach der Vorrunde aus. Fidschi löste als Gruppenzweiter überraschend das Ticket nach Marseille. Und die Reaktion der vielen walisischen Fans, die bereits den Trip ans Mittelmeer geplant hatten? Sie kamen trotzdem und unterstützten nun das Team aus der Südsee.

Das Spiel lief nach Plan für Südafrika. In der ersten Halbzeit dominierte der Favorit und ging mit einer 13:3 Führung in die Pause. Die Katerstimmung auf den Rängen hielt an. Doch zwanzig Minuten später, fühlte man sich zurückversetzt an den vergangenen Abend, als ganz Marseille die Blauen nach vorne brüllte.
Ein Spieler der Fidschis wurde mit einer gelben Karte zehn Minuten des Feldes verwiesen. Das sollten sich die Südafrikaner nicht entgehen lassen, das sollte die Entscheidung sein, so die einhellige Meinung auf den Rängen. Doch es kam anders. Taktische Verhaltensregeln über Bord werfend fingen die Insulaner plötzlich an in Unterzahl in der eigenen 22-Meter-Zone wie aufgedreht einen Angriff nach dem anderen zu starten. Innerhalb von fünf Minuten glichen sie aus und brachten den Favoriten an den Rand der Niederlage. Die risikoreiche beherzte Spielweise brachte das Stadion zum Kochen. Marseille hatte den Rausch ausgeschlafen, war wieder erwacht und brodelte erneut.

Südafrika fing sich und konnte in den letzten Minuten die entscheidenden Punkte einfahren, aber was blieb war der Stolz auf den Underdog. Die Stadt feierte weiter. Die nächste Nacht am alten Hafen


 
geschrieben von: ak · veröffentlicht von: Max

 
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falscher link (Punkte: 1)
von ak (presse@rugby-club-mainz.de) am 12.10.2007 um 19:10 Uhr
(Userinfo | Artikel schicken) http://www.rugby-club-mainz.de
selbstverständlich sollte der mit "Pastis" betextete Link nicht zu den drei Herren führen, die bauchtief im Mittelmeer stehen, sondern hierher [www.rcmainz.de]. sorry!



Re: Marseille - Die Mutter aller Rugby-Wochenenden (Punkte: 1)
von Plato am 13.10.2007 um 13:13 Uhr
(Userinfo | Artikel schicken)
Ein Lindener war auch da!

Kann den Mainzer Sportfreunden nur beipflichten, denn es ist schon wirklich atemberaubend, wenn sich eine ganze Stadt im Rugbytaumel befindet und alle Rugbyfans die Spiele zusammen feiern als wäre morgen das Bier alle.

Besonders toll, wenn in dem Hotel auch noch die Stars des Rugbyworldcup wohnen und man sie live erleben kann. Also Marseille am Vieux Port an diesem speziellen Wochenende war ein begeisterndes Erlebnis und die beiden Viertelfinals taten ihr Übriges dazu. Schade für Fiji das der dritte Versuch nicht gelungen ist, sonst wäre das Spiel garantiert gekippt und die nächste Sensation hätte stattgefunden.

Kann jedem Rugbyfreund den Besuch von solchen Events nur Nahe legen, denn mehr Freunde kann man kaum finden und besser feiern kann man wohl kaum.

Leider ist der Frankreichaufenthalt schon zu vorbei, doch das Rugbyfieber der WM hält noch ein Weile an. Auf die nächste Überraschung wartend wünsche ich den Teams viel Glück und den Fans immer genügend Bier im Glas.

Ovale Grüße
Plato



Re: Marseille - Die Mutter aller Rugby-Wochenenden (Punkte: 1)
von Gregor am 13.10.2007 um 14:03 Uhr
(Userinfo | Artikel schicken)
sehr schöner artikel. gefällt mir wirklich gut.


 
 
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